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Bis zum Burn-Out: Ode an grenzenloses Wachstum!

29. März 2012

Auf grenzenloses ökonomisches Wachstum zu setzen erscheint inzwischen naiv. Schließlich sind die Ressourcen begrenzt — beispielsweise reichen die Ölreserven nur noch etwa 40 Jahre. Müsste man sich also schleunigst in Verzicht üben?

Zu Beginn der Gehirnentwicklung treiben die Synapsen chaotisch aus. Später werden effektive, also wirkmächtige Verbindungen verstärkt und nutzlose abgebaut. Schließlich erwacht der Organismus Mensch mit vollem Bewusstsein. Bis zum Ende seiner Lebenszeit werden die Verbindungen an sich ändernde Gegebenheiten angepasst.

Zunächst muss geklärt werden, was Wachstum bedeutet: Dass immer mehr Produkte produziert werden müssen? Dass dazu immer mehr Energie verbraucht wird? Dass dabei auch immer mehr Abfall anfällt? Wieso das? Ökonomisches Wachstum bedeutet, dass permanente Wertschöpfung erfolgt — also lediglich, dass eine Investition Gewinn abwirft. Dies kann auch durch effizientere Nutzung der bisher aufgewendeten Mittel erfolgen, also durch eine Erhöhung des Wirkungsgrads. Und durch Wiederverwertung bereits erzeugter Produkte.

Dementsprechend führt auch das Gehirnwachstum nicht zu einer ständig ansteigenden Anzahl neuronaler Verbindungen, sondern zur Ausprägung effizienterer Verbindungen. Natürlich verbrauchen diese Anpassungen jedoch ständig Energie.

Auch das System „Erde“ wird ständig Energie verbrauchen, selbst wenn die Effizienz ständig gesteigert wird. Dies ist jedoch kein Problem: Die Sonne stellt die notwendige Energie zu Verfügung — und dies auch noch kostenlos und für uns Abgasfrei! Damit ist zwar die Lebenszeit des Systems „Erde“ begrenzt, weil auch die Energie der Sonne begrenzt ist. Aber: Wachstum bis zum Ende ist möglich. Der Energieausstoß der Sonne beträgt etwas 386 Trillionen (= 386 Millionen Millionen Millionen) Megawatt — pro Sekunde! Das sollte reichen — auch wenn ihr Wirkungsgrad für uns deutlich geringer ist.

Die Frage ist also nicht, ob Wachstum möglich ist — es ist möglich. Die Frage ist, wie dieses Wachstum aussehen muss: Damit auch das System „Erde“ mit vollem Bewusstsein erwachen wird!

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Kunst — ein Gesicht erobert die Welt

25. März 2012
→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“
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Alexander der Große, etwa 300 v. Chr. (Kopie nach Lysippos)

Etwa 500 v. Chr. fand die Kunst zu sich selbst. Man pries ihre Schönheit und diskutierte formale Eigenschaften. Wesentlich wurde, die Lebendigkeit des Körpers darzustellen — seine Anmut und seine Schönheit. Die bisher herrschende Idealisierung bekam individuelle Züge. Einer der größten Meister jener Zeit war Praxiteles (etwa 390 bis 320 v. Chr.). Auch weil er es verstand das Typische und das Individuelle in ein vollkommenes Gleichgewicht zu bringen.

Doch dann bekam die Kunst auch ein Gesicht. Persönliche Züge, einen Anspruch auf  Ähnlichkeit und Ausdruck, erhielt die Kunst exemplarisch in der Person Alexander des Großen (356 bis 326 v. Chr.). Dieser Meilenstein, „die Herrschaft über den Ausdruck„, erlaubte es den Künstlern „Bildnisse“ im heutigen Sinne anzufertigen. Durch die Eroberungen Alexander des Großen wurde die griechische Kunst zur Bildsprache der halben Welt — des hellenistischen Zeitalters.

Die Kunst verlor nahezu alle Verbindungen zu Magie und Religion. Nun ging es darum, herausfordernde künstlerische Probleme zu lösen. Kunst wurde ausgestellt, gehandelt, kopiert und beschrieben.

Außerdem weitete sich der Blick. Nicht mehr nur der Mensch, sondern alles was darstellbar ist fand sich in pompejanischen und römischen Wandmalereien: Zitronen, ein Wasserglas — und Landschaften. Was noch fehlte, war das Verständnis für die Gesetze der Perspektive.

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Kunst — seltsame Anfänge und ein großes Erwachen

19. März 2012
→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“
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Kunst kommt von Können! Diese bekannte Formulierung weist auf den ursprünglich wesentlichen Aspekt der Kunst hin: die Nützlichkeit — also die Funktionalität.  Frühe Höhlenmalereien, meist Abbildungen von Beutetieren und Jagdszenen, sollten eine erfolgreiche Jagd garantieren. Derartige Bildzaubereien sollten Macht verleihen oder die Götter milde stimmen. Farben und Formen sind traditionell genau festgelegt, um „zauberkräftig“ zu sein — Originalität ist demnach geradezu unerwünscht.

Die „eigentliche“ Geschichte der Kunst beginnt jedoch im Land der Pyramiden, etwa 3000 Jahre vor der Geburt Christi. Die ägyptischen Pyramiden gelten als die ältesten Denkmäler der Baukunst. Auch sie hatten eine bestimmte, sehr praktische Bedeutung: dem König, einem göttlichen Wesen, die Rückkehr in den Himmel zu ermöglichen. Ein ägyptisches Wort für Bildhauer bedeutet ”Er, der am Leben erhält“ — genau dies sollte er für die Auftraggeber seiner Bildnisse erreichen. Wohl auch deshalb kam es auf Vollständigkeit und nicht auf Schönheit an — alles musste von der charakteristischsten Seite dargestellt werden. Das ist der Grund, warum die Ägypter auf ihren Bildern flach und verdreht erscheinen und als ob sie zwei linke Füße hätten. Noch immer gilt: Tradition statt Originalität. Sitzende Statuen haben die Hände auf den Knien, Männer dunklere Haut als Frauen und Götter werden durch festgelegte Symbole dargestellt.

Etwa im sechsten Jahrhundert vor Christus ereignete sich die erstaunlichste Umwälzung in der gesamten Geschichte der Kunst: Die Griechen begannen, die Augen aufzumachen! Die eigene Betrachtung rückte in den Mittelpunkt der künstlerischen Darstellung. Die größten Entdeckungen waren die Naturwiedergabe und die perspektivische Verkürzung. Ziel dieser neu gewonnen Freiheit war, die Dinge zu zeigen, wie sie „wirklich aussehen“. Doch der Anspruch an die Kunst ging noch weiter: Das innere Leben der Gestalt, die „Bewegung der Seele“, sollte zum Vorschein kommen.

Dieses Streben nach „Wirklichkeit“ ließ auch Philosophie und Wissenschaft erwachen: Man versuchte erstmals die Natur der Dinge vorurteilsfrei zu erforschen.

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Erkenntnis: Wahr ist, was funktioniert!

11. März 2012

Eine wissenschaftliche Beschreibung beinhaltet eine Funktion. In der Methode ist angelegt, ob deskriptive, normative oder prädiktive Aspekte  im Mittelpunkt stehen. Wenn sich die Meteorologie dem Phänomen des Wetters annähert, so ist die Wettervorhersage eine wichtige Zielsetzung. Ist die Vorhersage fehlerhaft, werden die Modelle modifiziert. Wird die Funktion nicht erfüllt, gilt die wissenschaftliche Beschreibung des Gegenstands als nicht angemessen. Wahr ist demnach, was funktioniert.

Bei der psychologischen Konzeption der Intelligenz kommt der Vorhersage ebenfalls zentrale Bedeutung zu. Und tatsächlich ist der „Intelligenzquotient“ der zuverlässigste Prädiktor für beruflichen Erfolg. Was Intelligenz „ist“, kann die Psychologie jedoch bis heute nicht befriedigend beantworten.

Die Neurowissenschaften wollen klären, welche neuronalen Mechanismen menschliches Bewusstsein hervorbringen — wie Bewusstsein funktioniert. Die Philosophie fokussiert die phänomenale Gestalt — sie betont was Bewusstsein „bedeutet“.

Die Zielsetzung wird somit eine Facette des Gegenstandes. Sie färbt, wie „Wirklichkeit“ erscheint. Ein Philosoph, der das Wetter vorhersagen will, wird schließlich zum Meteorologen.

Kursbuch — Elegante Perspektivendifferenzen!

11. März 2012

Das Kulturmagazin „Kursbuch“ erscheint wieder! 1965 von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel gegründet, galt es einst als Organ der Außerparlamentarischen Oppositions- und Studentenbewegung (APO). Zwischenzeitlich wurde es „mangels Nachfrage“ eingestellt und erscheint nun unter fortlaufender Nummerierung im Murmann Verlag. Die Textsorte sei zwischen Feuilleton und Wissenschaft angesiedelt, so beschreibt es der Mitherausgeber Armin Nassehi.

Im Vorwort der aktuellen Ausgabe 170 „Krisen lieben“ wird Nassehi ausführlicher: „Es geht uns um ein Denken, das nicht elitär immer schon weiß, was zu tun ist. Es geht um Formen des Denkens, die in der Lage sind, sich darauf einzulassen, die entscheidenden Fragen gerade aus der Perspektive anderer, konkurrierender Logiken zu verstehen. Das neue Kursbuch wird deshalb Autoren miteinander konfrontieren, die wissenschaftliche, politische, kulturelle, künstlerische, religiöse, rechtliche Perspektiven auf den gleichen Gegenstand richten — und auch wirtschaftliche Perspektiven.

Als (kleiner) Bruder im Geiste, wünschen wir zahlreiche neugierige Leser!

Bewusstsein — das dramatische Potential

3. März 2012

Haben Tiere Bewusstsein? Sozial- und Neurowissenschaften nähern sich dieser Frage mit der Suche nach Gemeinsamkeiten. Aktueller „Spitzenreiter“ sind Wale und Delphine: Ihnen sollte der Rang einer „nicht-humanen Person“ zugestanden werden — inklusive eigener Persönlichkeitsrechte. Sie hätten eine vergleichbare Intelligenz, Individualität, Selbstaufmerksamkeit, Problem- und Interaktionsfähigkeit (1, 2, 3).

Aber was bedeutet Bewusstsein — die Fähigkeit, sich im Spiegel zu „erkennen“ (operationalisiert durch den Spiegeltest oder Rouge-Test)? Die Philosophie stellt hier traditionell größere Ansprüche. Deduktiv postuliert Hegel einen kategorischen Unterschied zwischen Natur und Geist. Entscheidend sei, die Dinge als Dinge zu Erkennen — also als äußere vom Subjekt abgespaltete Wirklichkeit.

Pragmatisch könnte Bewusstsein als Fähigkeit der Distanzierung verstanden werden — als Distanz zum Naturzustand. Sie erlaubt es dem Organismus, sich von seiner Natur zu entfernen, abstrakt oder konkret. So betrachtet ist das Artefakt, die Kultur, Kunst und Wissenschaft das entscheidende Kriterium des Bewusstseins. An alle Delphine: Wir sehen uns im Weltraum!

Physik — Eine Gewohnheit der Natur!

17. Februar 2012

Rupert Sheldrakes Hypothesen wurden mehr als kritisch betrachtet. „Seine Werke (…) transportieren falsche Vorstellungen von den Abläufen nicht nur in der Natur, sondern auch in den Naturwissenschaften“, so lautet das Fazit von Andrea Kamphuis (Skeptiker 3/2004). Drastischer äußerte sich die Zeitschrift Nature bereits 1981, als sein erstes Buch, A New Science of Life: The Hypothesis of Morphic Resonance, erschien: Sein Werk gehöre „verbrannt“. Sein aktuelles Buch, The Science Delusion, wird momentan mit mehr Respekt diskutiert.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist, „dass die Evolution das zentrale Merkmal der Natur ist“. Originell daran ist, dass er nicht die Biologie, sondern den Kosmos fokussiert: Auch die Naturgesetze veränderten sich! ‚Die Wirklichkeit‘ ist demnach Moment einer permanenten Entwicklung.