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Kunst — seltsame Anfänge und ein großes Erwachen

19. März 2012
→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“
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Kunst kommt von Können! Diese bekannte Formulierung weist auf den ursprünglich wesentlichen Aspekt der Kunst hin: die Nützlichkeit — also die Funktionalität.  Frühe Höhlenmalereien, meist Abbildungen von Beutetieren und Jagdszenen, sollten eine erfolgreiche Jagd garantieren. Derartige Bildzaubereien sollten Macht verleihen oder die Götter milde stimmen. Farben und Formen sind traditionell genau festgelegt, um „zauberkräftig“ zu sein — Originalität ist demnach geradezu unerwünscht.

Die „eigentliche“ Geschichte der Kunst beginnt jedoch im Land der Pyramiden, etwa 3000 Jahre vor der Geburt Christi. Die ägyptischen Pyramiden gelten als die ältesten Denkmäler der Baukunst. Auch sie hatten eine bestimmte, sehr praktische Bedeutung: dem König, einem göttlichen Wesen, die Rückkehr in den Himmel zu ermöglichen. Ein ägyptisches Wort für Bildhauer bedeutet ”Er, der am Leben erhält“ — genau dies sollte er für die Auftraggeber seiner Bildnisse erreichen. Wohl auch deshalb kam es auf Vollständigkeit und nicht auf Schönheit an — alles musste von der charakteristischsten Seite dargestellt werden. Das ist der Grund, warum die Ägypter auf ihren Bildern flach und verdreht erscheinen und als ob sie zwei linke Füße hätten. Noch immer gilt: Tradition statt Originalität. Sitzende Statuen haben die Hände auf den Knien, Männer dunklere Haut als Frauen und Götter werden durch festgelegte Symbole dargestellt.

Etwa im sechsten Jahrhundert vor Christus ereignete sich die erstaunlichste Umwälzung in der gesamten Geschichte der Kunst: Die Griechen begannen, die Augen aufzumachen! Die eigene Betrachtung rückte in den Mittelpunkt der künstlerischen Darstellung. Die größten Entdeckungen waren die Naturwiedergabe und die perspektivische Verkürzung. Ziel dieser neu gewonnen Freiheit war, die Dinge zu zeigen, wie sie „wirklich aussehen“. Doch der Anspruch an die Kunst ging noch weiter: Das innere Leben der Gestalt, die „Bewegung der Seele“, sollte zum Vorschein kommen.

Dieses Streben nach „Wirklichkeit“ ließ auch Philosophie und Wissenschaft erwachen: Man versuchte erstmals die Natur der Dinge vorurteilsfrei zu erforschen.

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

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