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Neuroästhetik — gefällt mir das?

21. Januar 2012

Was kommt heraus, wenn sich die Natur- bzw. Sozialwissenschaften der ästhetischen Erfahrung nähern?

„Kunst hat in der Basis mit Sex zu tun“, erklärte Dennis Dutton († 2010; Canterbury University). Wenn man, so Semir Zeki (University College London), „per Scanning herausfinden könnte, welche Bilder die meisten Menschen mögen und welche nicht, könnte das über Nacht die Preise verändern“.

Oder sind das verkürzte Zitate, die die Vertreter der Geisteswissenschaft im Feuilleton aufzählen, wenn sie über Neuroästhetik berichten? „Am Ende steckt in dem Versuch, ästhetische Wahrheit mit naturwissenschaftlichen Mitteln zu definieren, ein krudes Nützlichkeitsdenken“, so das Fazit von Thomas Assheuer in der Zeit, als vor etwa dreieinhalb Jahren an der Berliner Charité die „Assoziation für Neuro-Ästhetik“ gegründete wurde — eine explizit interdisziplinäre Einrichtung, an der neben Wissenschaftlern auch Künstler tätig sind. Außerdem würden die falschen Fragen gestellt, so der Philosoph Alva Noe (CUNY Graduate Center). Zunächst gehe es um Geld und Einfluss!

In ruhigeren Gesprächen wird es interessanter: Um „Aufmerksamkeit gegenüber ihrem eigenen Erleben“ gehe es, sagt der Wahrnehmungsforschers Martin Tröndle (Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel). Auch der Psychologe Ernst Pöppel (Universität München), selbst an der Assoziation für Neuro-Ästhetik beteiligt, ist äußerst kritisch: „Was ist Schönheit? Ich weigere mich, solche Fragen ernst zu nehmen. Wir verabschieden uns vom Leben, wenn wir ein Konzept wie ,Schönheit‘ erfinden und dann nach diesem Konzept im Gehirn suchen. Ich halte das für Blödsinn.“ Semir Zeki geht es vor allem um Neugier.

Wer vereinfacht hier was?

Auch eine Kooperation der Universität Wien von Helmut Leder (Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden) und Raphael Rosenberg (Institut für Kunstgeschichte) versucht eine Annäherung: „Wir haben die Besonderheiten unserer Forschung zusammen gebracht.

Anstatt gespannt zu lauschen, wenn Wissenschaftler Gräben überspringen und näher zusammenrücken oder konstruktiv am Gespräch teilzunehmen, werden Zuständigkeiten postuliert und Kompetenzen bezweifelt. Grundlagenforschung, auch die der Neurowissenschaften, gönnt sich genau den Luxus, nicht an Nützlichkeit zu denken.

Es geht um die Frage nach der conditio humana: Von Natur aus ignorant, oder zu (gemeinsamem) Handeln bereit?

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