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So ein Theater — Programm nach Wahl!

20. Dezember 2011

Originelle Inspiration oder Untergang des Abendlandes?

Carl Hegemann, Dramaturg und Mit-Initiator der Idee, über einen Teil des kommenden Spielplans des Thalia Theaters Hamburg öffentlich abstimmen zu lassen, kommentiert das Ergebnis in einem Interview:  „Was dabei herausgekommen ist, ist seltsam genug.“ Wiederholen müsse man das nicht.

Den Ruf nach mehr Partizipation auch in der Kunst umzusetzen, wurde intensiv diskutiert:

  • Joachim Lux (Intendant des Thalia Theaters): „Vom Theater wird behauptet, es stecke in der Krise. Insbesondere sei es elitär und brauche mehr Publikumsakzeptanz und -mitwirkung.“
  • Peter Kümmel in der Zeit (15.12.2011): „Die Bühnen agieren im Geiste einer großen Tradition; sie handeln, als wären sie Fürstenhöfe. Sie halten sich ein Publikum als dramaturgischen Beirat (Hamburg), und sie halten sich Kritiker als Hofnarren (Schweiz). All das im Dienste der Zuschauer, versteht sich.“
  •  Michael Laages vom Deutschlandfunk (Kultur heute, 17.12.2011): „Wer Entscheidungen über künstlerische Ausdrucksformen dem Urteil der Mehrheit unterwirft, oder gar der Masse, läutet freier Kunst das Sterbeglöcklein.“
  • Christoph Twickel (Spiegel Online, 18.12.2011): „Man darf also getrost darauf wetten, dass von den gewählten Stücken keines den Weg in den regulären Spielplan findet.“
  • Till Briegleb in der Süddeutsche Zeitung (19.12. 2011): „In dieser Form wird garantiert nie wieder ein Theater in Deutschland seine Inkompetenz in Sachen Demokratie zur Schau stellen.“

Durchgesetzt hat sich übrigens (mit 703 von 5529 Stimmen): Die Ehe des Herrn Mississippi von Friedrich Dürrenmatt — ein Stück, in dem sich der Autor äußerst zynisch zur Demokratie äußert. Der Regisseur Ernst Ginsberg riet ihm seinerzeit, das Manuskript zu verbrennen!

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3 Kommentare leave one →
  1. 14. Januar 2012 13:37

    Wirklich Nett! Gefaellt mir sehr! Wo ist der Like Button fuer Facebook?

    • 14. Januar 2012 17:51

      Vielen Dank — auch für eine Weiterempfehlung (auf welchen Weg auch immer; Facebook soll hier nicht bevorzugt werden). Artikel und Kommentare können über die Sternchen-Funktion „bewertet“ werden.

  2. 22. Dezember 2011 22:58

    Demokratie — I like!
    Till Briegleb (SZ, 21.12.2011) weist auf die unbedarfte Verwendung der Begriffe „Demokratie“ und „Partizipation“ hin. „Wahl“ müsse für die Wähler Konsequenzen haben — ansonsten verkomme sie zur Impulsabfrage.

    Noch wichtiger: „Demokratie muss gefordert, nicht gewährt werden“. Niemand habe darum gebeten, über den Spielplan abstimmen zu dürfen. Die eigentliche Wahl fände in diesem Falle an der Theater-Kasse statt — dort habe sie nämlich Konsequenzen.

    „Ansonsten dürfen die Theater ihren Spielplan bald auch auf Ebay versteigern.“

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