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Kunst — Emanzipation durch Architektur und Wissenschaft

1. November 2012

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Peter Parler der Jüngere (Selbstportrait, um 1383)

Im vierzehnten Jahrhundert entzog man sich dem Einfluss von Kirche und Feudalherren — und machte sich auf in die Stadt. Dies galt jedoch nicht nur für die armen Bauern, die somit zu Bürgern wurden, sondern auch für den Adel, der dort bequemer und effektvoller im eigenen Reichtum schwelgen konnte. Der Geschmack dieser Zeit war das Raffinierte, nicht das Gewaltige. Entsprechend großspurig konnte die Architektur auftreten: Neben den Kathedralen konnten nun auch Rathäuser, Zunfthäuser, Schulgebäude, Stadtpaläste, Brücken und Stadttore entworfen werden. Die Künstler begannen systematische Naturstudien durchzuführen — diese hatten auch erstmals den Künstler selbst zum Gegenstand (siehe Abbildung). Das „Mittelalter“ war zu Ende!

Die geringschätzige Bezeichnung dieser Epoche wurde im fünfzehnten Jahrhundert von den Italienern geprägt. Sie planten eine „Renaissance„, eine Wiederbelebung des griechischen Ideals — der Zeit, als Rom das Zentrum der Kultur gewesen war.  Der Zeitraum zwischen Antike und der erhofften Wiedergeburt des Römischen Reichs sollte lediglich als gotische (also barbarische) „Zwischenzeit“ in Erinnerung bleiben. Kunst und Wissenschaft machten sich gemeinsam auf die Suche nach „objektiver“ Wahrheit.

Filippo Brunelleschi (1377-1446) gilt als der Erfinder der Renaissance-Architektur. Ihm gelang es, den Dom von Florenz mit einer gewaltigen Kuppel zu überspannen. Vermutlich entdeckte er auch die Gesetze der Perspektive. Jan van Eyck (1390-1441) entwickelte die Ölmalerei — um die Natur so wiederzugeben, wie sie sich dem Auge darbot. Konrad Witz (1400?-1446?) schuf zu dieser Zeit das erste Bildnis einer realen landschaftlichen Ansicht: Christus wandelt auf den Wellen — des Genfer Sees, im Hintergrund der Mont Salève!

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Homo curiosus (II): Da sind wir nun!

29. August 2012

Pünktlich und mit erstaunlicher Präzision ist unser neugieriger Roboter auf dem Mars gelandet!

Er ist offenbar voll funktionsfähig. Beinahe täglich wird die interessierte Öffentlichkeit darüber informiert, wie „Curiosity“ nach und nach seine Systeme aktiviert, überprüft und aktualisiert. Inzwischen wurde von Lande- auf Erkundungsmodus umgestellt. Techniker erläutern die Funktionsweise der Sensoren, Forscher wozu sie einzusetzen sind. Betont wurde die Genauigkeit der Vorhersagen, insbesondere des Landungsablaufs und Landungsorts. Wenn Abweichungen festgestellt wurden, scheint es sich ausnahmslos um „Unterschätzungen“ zu handeln — beispielsweise ist die Energieversorgung deutlich leistungsfähiger als erwartet.

Nun stellt sich sich die bereits geäußerte Frage: Wozu das alles? Folgende Perspektiven bieten sich an:

  • ökonomischer Nutzen
  • naturwissenschaftlicher Nutzen
  • erkenntnistheoretischer Nutzen
  • gesellschaftlicher Nutzen

Imagination „Europa“ (II): Und sie äußern sich doch!

28. August 2012
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Hier wurde bereits über Visionen für ein neues Europa berichtet. Einige Stimmen (z.B. Thomas Assheuer, Zeit, Nr. 46, 2011) monierten fehlendes Engagement der Intellektuellen. Die FAZ hat sich nun der Sache angenommen. Es folgt eine Übersicht:

Ulrich Wilhelm: Gebt Souveränität ab!

Ulrich Wilhelm (Intendant des BR) nennt ein Gründungsproblem Europas: Die Mitgliedstaaten hätten bei Einführung des Euros die Souveränität über Staatshaushalt und Sozialleistungen behalten. Nun blieben drei Handlungsoptionen — bei der Wahl der richtigen Strategie müssten sowohl historische und politische als auch  ökonomische und verfassungsrechtliche Aspekte bedacht werden:

(1) Ein ungebremster Einsatz der Notenpresse der Europäischen Zentralbank. Dies sei jedoch im EU-Vertrag ausdrücklich ausgeschlossen — eine derartige Rettung Europas käme demnach einem systematischen Rechtsbruchs gleich.

(2) Ein Zusammenbrechen der Eurozone. Dies hätte zum einen erhebliche finanzielle Konsequenzen: Hohe Ausfälle in den Bilanzen der Banken und des Bundeshaushalts. Andererseits drohe eine gesellschaftliche Spaltung zwischen den nördlichen Staaten, die sich mit erheblichem Aufwand vergeblich um eine Sanierung Europas bemüht hätten und den südlichen Staaten, die sich nun auf sich allein gestellt sähen. Zukünftig könnten jedoch Sicherheit, Wohlstand und Frieden nur in einem internationalen Bündnis garantiert sein, nicht jedoch innerhalb und zwischen einzelner Nationalstaaten.

(3) Die Gründung einer Politischen Union. Ulrich Wilhelm favorisiert diese Option und fordert eine damit verbundene Abgabe von Souveränität an die europäischen Institutionen — wenn nötig durch eine Volksabstimmung: „Was die Europäische Union dringend braucht, ist eine Rückbesinnung auf die Kraft ihrer Anfänge: Die Idee von de Gaulle, Adenauer und de Gasperi, angesichts von Verwüstung und Krieg ein gemeinsames Europa aufzubauen und sich über den Gräbern von Millionen Kriegstoten die Hand zu reichen, schien vielen Zeitgenossen ebenso kühn und unlösbar wie vielen heute die Verwirklichung einer echten Politischen Union.“

Paul Kirchhof: Verfassungsnot!

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof (Universität Heidelberg) sieht die Europäische Union als eine „Gemeinschaft des Rechts“. Trotz Souveränität der Einzelstaaten sei durch verbindliche Rechtsregeln die Stabilität der Währung und der Finanzen gesichert worden — in erster Linie durch eine Begrenzung der Staatsverschuldung und die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank. Dieser sei es ausdrücklich untersagt, Staatshaushalte zu finanzieren. Dadurch sei die Eigenverantwortlichkeit der Mitgliedstaaten betont worden.

Der Ursprung der Finanzprobleme liege darin, dass diese Rechtsordnung grob missachtet wurde. Nun gelte es zu vermeiden, dass die Union zu einer „Einstands- und Haftungsgemeinschaft“ werde — „die Rückkehr zum Recht [sei] das Gebot der Stunde“. Denn eine Instabilität des Rechts wiege schwerer als eine Instabilität der Finanzen. Notwendig sei ein „festes Verfassungs- und Vertragsrecht“, nicht eine im alltäglichen Kompromiss gefundene „pragmatische Lösung“. Einer Zentralisierung des Haushalts- und Verschuldungswesens steht er offenbar skeptisch gegenüber.

„(…) für eine Rechtsgemeinschaft beginnt jede weiter Vergemeinschaftung mit einem gemeinsamen Verständnis des Rechts, gegenwärtig insbesondere des Haushalts-, Steuer- und Leistungsrechts. Integration heißt Werben für das Recht.“

Thilo Sarrazin: Geburtsfehler Maastricht

Die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraums bezeichnet Thilo Sarrazin als einen „großartigen Erfolg“. Dieses, auch Frieden und Freiheit sichernde Modell brauche aber nicht unbedingt eine gemeinsame Währung. Die Aufgabe der Wechselkursanpassung sei vielmehr ein „waghalsiges Experiment“ gewesen (basierend auf der irrtümlichen Annahme, der Fortfall des Wechselkursrisikos würde zu einer Egalisierung der Bonität aller Staatsschulden im Euroraum führen):

„Bei unveränderlichen Wechselkursen werden nämlich negative Abweichungen [Unterschiede der länderspezifischen Governance] sofort durch steigende Leistungsbilanzdefizite, schwächeres Wirtschaftswachstum, höhere Arbeitslosigkeit und höhere Staatsverschuldung bestraft.“ Diese Abweichungen seien durch entsprechende Reformpolitik der betroffenen Länder zu beseitigen, nicht durch Transferzahlungen.

Die von Paul Kirchhof diagnostizierte „Missachtung des Rechts“ bezeichnet Thilo Sarrazin als „systematisch und im Kern zutiefst politisch“. Dementsprechend müssten auch die Auseinandersetzungen um die Schulden- und Transferunion als Machtkampf begriffen werden.

Die von Ulrich Wilhelm geäußerte Hoffnung auf eine „politische Union“ teilt Thilo Sarrazin nicht: Deren Konzeption sei noch immer zu unscharf und zu kontrovers. Er nennt folgende Alternativen: Die Abschaffung der gemeinsamen Währung (was wieder Wechselkursanpassungen erlauben würde) oder die Entwicklung eines Verfassungsentwurfs eines „europäischen Bundesstaats“ (innerhalb dessen Finanztransfers akzeptabel wären).

Peter Gauweiler

Jürgen Habermas, Peter Bofinger und Julian Nida-Rümelin

Otfried Höffe

Colin Crouch

Hans-Gert Pöttering

Martin Walser

Jutta Limbach

Kunst — Visionen der Kirche

1. Mai 2012

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Kloster Murbach, Benediktinerabtei im südlichen Elsass

Eine grausame Fratze des zwölften Jahrhunderts waren die Kreuzzüge. Entsprechend „streitbar“ zeigten sich auch die Kirchen: Steinmassen, die starke Ähnlichkeit mit Burgen aufwiesen — die Normannen brachten den romanischen Stil. Außerdem zeigte sich im Kontakt zur byzantinischen Kunst eine Annäherung an die Ideale der altorientalischen Kunst. Die Malerei wurde zur Bilderschrift. Dies erlaubte die Erprobung neuartiger Kompositionen und Farbgebungen. Die Unabhängigkeit von der Natur erlaubte die Darstellung des Übernatürlichen.

Das dreizehnte Jahrhundert wurde geprägt von der Idee der gotischen Kathedrale: Die Kirche wurde zur Vision des Himmels. An der Notre-Dame de Paris kann das revolutionäre Potential dieses neuen Baustils aus Kreuzrippen, Strebebögen und Spitzbögen exemplarisch studiert werden. Entsprechend wurde Paris zum Mittelpunkt des abendländischen Geisteslebens. Die künstlerischen Methoden und Effekte sind nur noch Mittel zum Zweck — um die (heilige) Geschichte noch überzeugender und gefühlvoller zu erzählen.

Doch mit Giotto di Bondone (1267-1337) erlebte die künstlerische Malerei eine Wiedergeburt — der Anspruch einer realistischen Darstellung kehrte zurück.

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Was die Medien nicht verstehen: It’s the process — stupid!

28. April 2012

Regelmäßig werden die Folgen politischer Entscheidungen diskutiert oder antizipiert: Wer wird begünstigt, wer benachteiligt — ist das gerecht? Um dies zu beantworten, muss zunächst differenziert werden. Die Verteilungsgerechtigkeit ist ein inhaltliches Kriterium der Angemessenheit des Ergebnisses einer Entscheidung: Hat jeder erhalten, was er verdient? Als nähere Bestimmung des Kriteriums kann dabei die Leistung oder das Bedürfnis der Beteiligten Berücksichtigung finden. Demgegenüber charakterisiert die Verfahrensgerechtigkeit den Prozess der Entscheidung — unabhängig vom Ergebnis im Einzelfall. Welche Entscheidungen werden nun als gerecht empfunden? Psychologische Untersuchungen zeigen, dass Personen wichtiger ist, wie ein Ergebnis zustande gekommen ist, als das Ergebnis selbst.

Genau hier beginnt das Missverständnis in der Diskussion um die Piratenpartei. Denn der öffentliche Diskurs beschäftigt sich meist mit den inhaltlichen Konsequenzen oder Positionen — wie kann also eine Partei ernst genommen werden, die (noch) keine konkreten Inhalte vertritt? Die Vertreter der Piraten wiederum haben es versäumt, ihr Anliegen genauer zu erläutern. Der vielbemühte Begriff der Transparenz beschreibt die Prozessorientierung nur unzureichend. Radikal wäre, als Prozess-Partei aufzutreten und Inhalte als notwendige Konsequenzen zu begreifen, die — auch wenn unbequem — durch eine methodische und weniger durch eine inhaltliche Begründung legitimiert sind.

Hinsichtlich der Auflösung der traditionell ideologisch geprägten politischen Kategorien könnte ein explizites Bekenntnis zu einer spezifischen politischen Prozesstheorie das Profil aller Parteien schärfen. Denn natürlich sind alle Parteien neben ihrer inhaltlichen Orientierung zunächst auch immer eine Prozess-Partei.

Kunst — Rom, Christentum und die Entdeckung des Gefühls

7. April 2012
→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“
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Thronende Madonna mit Kind (Cimabue, 1272-74)

Der Siegeszug Roms (bis 230 n. Chr.) war auch ein Siegeszug der Technik. Straßen, öffentliche Bäder und natürlich die Aquädukte prägten das Stadtbild. Die Überreste der damaligen Architektur, der Amphitheater und Triumphbögen, werden noch heute bewundert. Die Römer wurden Meister des Wölbungsbaus. Dies zeigt das Pantheon, der Tempel aller Götter in Rom.

Nicht nur im Bereich der Architektur übernahmen die Römer systematisch Elemente der Formensprache anderer Kulturen und passten sie ihren Zwecken an. So wurden die Errungenschaften der griechischen Kunst in den Dienst der Kriegsberichterstattung gestellt. Hierbei kam es nicht mehr auf Schönheit, Harmonie und dramatischen Ausdruck an, sondern auf Genauigkeit und die Einzelheiten der  dargestellten Ereignisse.

Spätestens mit der Anerkennung des Christentums im Jahre 311 rückte auch die Religion wieder ins Zentrum der künstlerischen Betrachtung. Die Kirche als Versammlungsraum musste neu erdacht werden. Das Ergebnis war die Basilika. Auch der Bilderstreit führte zu einer Rückbesinnung: Papst Gregor forderte, Bilder sollten dazu verwendet werden, das Wort Gottes zu lehren. Die ägyptische Idee vom Vorrang der Deutlichkeit und Klarheit der Darstellung erlangte damit wieder zentrale Bedeutung, sowie die strickte Achtung der Traditionen — allerdings bereichert durch eine entwickeltere Formensprache.

So wurde die christliche Kunst des Mittelalters ein Gemisch aus primitiven und hoch entwickelten Methoden. Etwa 500 n. Chr. verschwand das Interesse, von der Natur zu lernen — die Kunst schloss nach 1000 Jahren wieder ihre Augen: „Die Ägypter hatten hauptsächlich dargestellt, was sie wussten, die Griechen, was sie sahen. Im Mittelalter lernten die Künstler in ihren Bildern auszudrücken, was sie fühlten.“

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

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BRICS — das Ende des Homo occidentalis?

2. April 2012

Arno Bamme (2011) beschreibt in seinem monumentalen Werk „Homo occidentalis“ die Bemächtigung der Welt durch die Wertegemeinschaft des Abendlandes — sie erfolgte in drei Zäsuren: Dem griechischen Mirakel, dem europäischen Mirakel und der Postmoderne. Möglicherweise muss nun eine weitere Zäsur hinzugefügt werden: Das Ende das Abendlandes!

„Den Anfang macht (…) meistens irgendein großes Trauma„, so Egon Friedell (1979) über den Beginn einer neuen kulturgeschichtlichen Ärea. Dies könnten Epidemien, Invasionen oder auch plötzliche wirtschaftliche Umwertungen sein.  Darauf folge „eine traumatische Neurose, die der eigentliche Brutherd des Neuen ist“: Die aktuellen Verhältnisse würden dadurch in einen chaotischen Zustand gebracht, Vorstellungsmassen würden mobilisiert. Schließlich verfestige sich ein neues Zeitalter.

Es scheint, als hätten wir kürzlich ein globales Trauma (die Finanz- und Wirtschaftskrise) durchlebt und als kämpften wir derzeit mit der Neurose: Kann die Idee von Europa weiterentwickelt werden, oder ist sie bereits gescheitert?

Möglicherweise findet die eigentliche Neukonzeption der Menschheit jedoch gerade woanders statt: Fünf Staaten, die 40 % der Weltbevölkerung stellen, rücken näher zusammen. Es ist der Versuch, eine multipolare Weltordnung zu etablieren. Gegründet 2009, trafen sich Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (BRICS) in dieser Woche in Neu Delhi zu ihrem vierten Gipfel. Sie einigten sich auf die Gründung einer eigenen Entwicklungsbank, die ein Gegengewicht zu internationalem Währungsfond und Weltbank werden soll. Handelserleichterungen sollen das Handelsvolumen bis 2015 verdoppeln. Außenpolitisch positionieren sie sich gegen Syrien und für die Friedensbemühungen der Arabischen Liga und des neuen UN-Sondergesandten Kofi Annan; der Iran habe ein Recht auf die friedliche Nutzung der Atomenergie.

Ökonomisch könnten die BRICS-Staaten die G7-Staaten bis 2027 überflügeln — aber können sie der Welt auch kultur- und gesellschaftspolitisch eine neue Richtung geben? Das wäre durchaus wünschenswert! Das Thema einer gemeinsamen Identität stand übrigens nicht auf der Tagesordnung.

Bis zum Burn-Out: Ode an grenzenloses Wachstum!

29. März 2012

Auf grenzenloses ökonomisches Wachstum zu setzen erscheint inzwischen naiv. Schließlich sind die Ressourcen begrenzt — beispielsweise reichen die Ölreserven nur noch etwa 40 Jahre. Müsste man sich also schleunigst in Verzicht üben?

Zu Beginn der Gehirnentwicklung treiben die Synapsen chaotisch aus. Später werden effektive, also wirkmächtige Verbindungen verstärkt und nutzlose abgebaut. Schließlich erwacht der Organismus Mensch mit vollem Bewusstsein. Bis zum Ende seiner Lebenszeit werden die Verbindungen an sich ändernde Gegebenheiten angepasst.

Zunächst muss geklärt werden, was Wachstum bedeutet: Dass immer mehr Produkte produziert werden müssen? Dass dazu immer mehr Energie verbraucht wird? Dass dabei auch immer mehr Abfall anfällt? Wieso das? Ökonomisches Wachstum bedeutet, dass permanente Wertschöpfung erfolgt — also lediglich, dass eine Investition Gewinn abwirft. Dies kann auch durch effizientere Nutzung der bisher aufgewendeten Mittel erfolgen, also durch eine Erhöhung des Wirkungsgrads. Und durch Wiederverwertung bereits erzeugter Produkte.

Dementsprechend führt auch das Gehirnwachstum nicht zu einer ständig ansteigenden Anzahl neuronaler Verbindungen, sondern zur Ausprägung effizienterer Verbindungen. Natürlich verbrauchen diese Anpassungen jedoch ständig Energie.

Auch das System „Erde“ wird ständig Energie verbrauchen, selbst wenn die Effizienz ständig gesteigert wird. Dies ist jedoch kein Problem: Die Sonne stellt die notwendige Energie zu Verfügung — und dies auch noch kostenlos und für uns Abgasfrei! Damit ist zwar die Lebenszeit des Systems „Erde“ begrenzt, weil auch die Energie der Sonne begrenzt ist. Aber: Wachstum bis zum Ende ist möglich. Der Energieausstoß der Sonne beträgt etwas 386 Trillionen (= 386 Millionen Millionen Millionen) Megawatt — pro Sekunde! Das sollte reichen — auch wenn ihr Wirkungsgrad für uns deutlich geringer ist.

Die Frage ist also nicht, ob Wachstum möglich ist — es ist möglich. Die Frage ist, wie dieses Wachstum aussehen muss: Damit auch das System „Erde“ mit vollem Bewusstsein erwachen wird!

Kunst — ein Gesicht erobert die Welt

25. März 2012
→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“
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Alexander der Große, etwa 300 v. Chr. (Kopie nach Lysippos)

Etwa 500 v. Chr. fand die Kunst zu sich selbst. Man pries ihre Schönheit und diskutierte formale Eigenschaften. Wesentlich wurde, die Lebendigkeit des Körpers darzustellen — seine Anmut und seine Schönheit. Die bisher herrschende Idealisierung bekam individuelle Züge. Einer der größten Meister jener Zeit war Praxiteles (etwa 390 bis 320 v. Chr.). Auch weil er es verstand das Typische und das Individuelle in ein vollkommenes Gleichgewicht zu bringen.

Doch dann bekam die Kunst auch ein Gesicht. Persönliche Züge, einen Anspruch auf  Ähnlichkeit und Ausdruck, erhielt die Kunst exemplarisch in der Person Alexander des Großen (356 bis 326 v. Chr.). Dieser Meilenstein, „die Herrschaft über den Ausdruck„, erlaubte es den Künstlern „Bildnisse“ im heutigen Sinne anzufertigen. Durch die Eroberungen Alexander des Großen wurde die griechische Kunst zur Bildsprache der halben Welt — des hellenistischen Zeitalters.

Die Kunst verlor nahezu alle Verbindungen zu Magie und Religion. Nun ging es darum, herausfordernde künstlerische Probleme zu lösen. Kunst wurde ausgestellt, gehandelt, kopiert und beschrieben.

Außerdem weitete sich der Blick. Nicht mehr nur der Mensch, sondern alles was darstellbar ist fand sich in pompejanischen und römischen Wandmalereien: Zitronen, ein Wasserglas — und Landschaften. Was noch fehlte, war das Verständnis für die Gesetze der Perspektive.

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Kunst — seltsame Anfänge und ein großes Erwachen

19. März 2012
→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“
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Kunst kommt von Können! Diese bekannte Formulierung weist auf den ursprünglich wesentlichen Aspekt der Kunst hin: die Nützlichkeit — also die Funktionalität.  Frühe Höhlenmalereien, meist Abbildungen von Beutetieren und Jagdszenen, sollten eine erfolgreiche Jagd garantieren. Derartige Bildzaubereien sollten Macht verleihen oder die Götter milde stimmen. Farben und Formen sind traditionell genau festgelegt, um „zauberkräftig“ zu sein — Originalität ist demnach geradezu unerwünscht.

Die „eigentliche“ Geschichte der Kunst beginnt jedoch im Land der Pyramiden, etwa 3000 Jahre vor der Geburt Christi. Die ägyptischen Pyramiden gelten als die ältesten Denkmäler der Baukunst. Auch sie hatten eine bestimmte, sehr praktische Bedeutung: dem König, einem göttlichen Wesen, die Rückkehr in den Himmel zu ermöglichen. Ein ägyptisches Wort für Bildhauer bedeutet ”Er, der am Leben erhält“ — genau dies sollte er für die Auftraggeber seiner Bildnisse erreichen. Wohl auch deshalb kam es auf Vollständigkeit und nicht auf Schönheit an — alles musste von der charakteristischsten Seite dargestellt werden. Das ist der Grund, warum die Ägypter auf ihren Bildern flach und verdreht erscheinen und als ob sie zwei linke Füße hätten. Noch immer gilt: Tradition statt Originalität. Sitzende Statuen haben die Hände auf den Knien, Männer dunklere Haut als Frauen und Götter werden durch festgelegte Symbole dargestellt.

Etwa im sechsten Jahrhundert vor Christus ereignete sich die erstaunlichste Umwälzung in der gesamten Geschichte der Kunst: Die Griechen begannen, die Augen aufzumachen! Die eigene Betrachtung rückte in den Mittelpunkt der künstlerischen Darstellung. Die größten Entdeckungen waren die Naturwiedergabe und die perspektivische Verkürzung. Ziel dieser neu gewonnen Freiheit war, die Dinge zu zeigen, wie sie „wirklich aussehen“. Doch der Anspruch an die Kunst ging noch weiter: Das innere Leben der Gestalt, die „Bewegung der Seele“, sollte zum Vorschein kommen.

Dieses Streben nach „Wirklichkeit“ ließ auch Philosophie und Wissenschaft erwachen: Man versuchte erstmals die Natur der Dinge vorurteilsfrei zu erforschen.

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Erkenntnis: Wahr ist, was funktioniert!

11. März 2012

Eine wissenschaftliche Beschreibung beinhaltet eine Funktion. In der Methode ist angelegt, ob deskriptive, normative oder prädiktive Aspekte  im Mittelpunkt stehen. Wenn sich die Meteorologie dem Phänomen des Wetters annähert, so ist die Wettervorhersage eine wichtige Zielsetzung. Ist die Vorhersage fehlerhaft, werden die Modelle modifiziert. Wird die Funktion nicht erfüllt, gilt die wissenschaftliche Beschreibung des Gegenstands als nicht angemessen. Wahr ist demnach, was funktioniert.

Bei der psychologischen Konzeption der Intelligenz kommt der Vorhersage ebenfalls zentrale Bedeutung zu. Und tatsächlich ist der „Intelligenzquotient“ der zuverlässigste Prädiktor für beruflichen Erfolg. Was Intelligenz „ist“, kann die Psychologie jedoch bis heute nicht befriedigend beantworten.

Die Neurowissenschaften wollen klären, welche neuronalen Mechanismen menschliches Bewusstsein hervorbringen — wie Bewusstsein funktioniert. Die Philosophie fokussiert die phänomenale Gestalt — sie betont was Bewusstsein „bedeutet“.

Die Zielsetzung wird somit eine Facette des Gegenstandes. Sie färbt, wie „Wirklichkeit“ erscheint. Ein Philosoph, der das Wetter vorhersagen will, wird schließlich zum Meteorologen.

Kursbuch — Elegante Perspektivendifferenzen!

11. März 2012

Das Kulturmagazin „Kursbuch“ erscheint wieder! 1965 von Hans Magnus Enzensberger und Karl Markus Michel gegründet, galt es einst als Organ der Außerparlamentarischen Oppositions- und Studentenbewegung (APO). Zwischenzeitlich wurde es „mangels Nachfrage“ eingestellt und erscheint nun unter fortlaufender Nummerierung im Murmann Verlag. Die Textsorte sei zwischen Feuilleton und Wissenschaft angesiedelt, so beschreibt es der Mitherausgeber Armin Nassehi.

Im Vorwort der aktuellen Ausgabe 170 „Krisen lieben“ wird Nassehi ausführlicher: „Es geht uns um ein Denken, das nicht elitär immer schon weiß, was zu tun ist. Es geht um Formen des Denkens, die in der Lage sind, sich darauf einzulassen, die entscheidenden Fragen gerade aus der Perspektive anderer, konkurrierender Logiken zu verstehen. Das neue Kursbuch wird deshalb Autoren miteinander konfrontieren, die wissenschaftliche, politische, kulturelle, künstlerische, religiöse, rechtliche Perspektiven auf den gleichen Gegenstand richten — und auch wirtschaftliche Perspektiven.

Als (kleiner) Bruder im Geiste, wünschen wir zahlreiche neugierige Leser!

Bewusstsein — das dramatische Potential

3. März 2012

Haben Tiere Bewusstsein? Sozial- und Neurowissenschaften nähern sich dieser Frage mit der Suche nach Gemeinsamkeiten. Aktueller „Spitzenreiter“ sind Wale und Delphine: Ihnen sollte der Rang einer „nicht-humanen Person“ zugestanden werden — inklusive eigener Persönlichkeitsrechte. Sie hätten eine vergleichbare Intelligenz, Individualität, Selbstaufmerksamkeit, Problem- und Interaktionsfähigkeit (1, 2, 3).

Aber was bedeutet Bewusstsein — die Fähigkeit, sich im Spiegel zu „erkennen“ (operationalisiert durch den Spiegeltest oder Rouge-Test)? Die Philosophie stellt hier traditionell größere Ansprüche. Deduktiv postuliert Hegel einen kategorischen Unterschied zwischen Natur und Geist. Entscheidend sei, die Dinge als Dinge zu Erkennen — also als äußere vom Subjekt abgespaltete Wirklichkeit.

Pragmatisch könnte Bewusstsein als Fähigkeit der Distanzierung verstanden werden — als Distanz zum Naturzustand. Sie erlaubt es dem Organismus, sich von seiner Natur zu entfernen, abstrakt oder konkret. So betrachtet ist das Artefakt, die Kultur, Kunst und Wissenschaft das entscheidende Kriterium des Bewusstseins. An alle Delphine: Wir sehen uns im Weltraum!

Physik — Eine Gewohnheit der Natur!

17. Februar 2012

Rupert Sheldrakes Hypothesen wurden mehr als kritisch betrachtet. „Seine Werke (…) transportieren falsche Vorstellungen von den Abläufen nicht nur in der Natur, sondern auch in den Naturwissenschaften“, so lautet das Fazit von Andrea Kamphuis (Skeptiker 3/2004). Drastischer äußerte sich die Zeitschrift Nature bereits 1981, als sein erstes Buch, A New Science of Life: The Hypothesis of Morphic Resonance, erschien: Sein Werk gehöre „verbrannt“. Sein aktuelles Buch, The Science Delusion, wird momentan mit mehr Respekt diskutiert.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist, „dass die Evolution das zentrale Merkmal der Natur ist“. Originell daran ist, dass er nicht die Biologie, sondern den Kosmos fokussiert: Auch die Naturgesetze veränderten sich! ‚Die Wirklichkeit‘ ist demnach Moment einer permanenten Entwicklung.

Medien — Notwendigkeit des Widerspruchs!

12. Februar 2012

Was ist die Aufgabe der Medien? Neben der Information, Unterhaltung und Synchronisation der Gesellschaft ist insbesondere die Kritik zu nennen. Problematisch ist, wenn die mediale Einschätzung einen hohen Konsens erreicht.  Kann eine Situation eindeutig sein — demzufolge „wirklich“? Davon ist kaum auszugehen. Es erscheint vielmehr notwendig, dass — analog einer juristischen Betrachtung — die Position des Anklägers als auch des Verteidigers prinzipiell vertreten werden muss.

Die Medien haben notfalls die Rolle des „advocatus diaboli zu bekleiden, also Argumente entgegen der vorherrschenden Meinung zu formulieren.

Kunst — eine zaghafte Annäherung

10. Februar 2012

Congo (Schimpanse)

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

„Die Kunst ist ein kompliziertes Phänomen“, sagte  Wassily Kandinsky. Vielleicht sollte man es dabei bewenden lassen — niemand kann abschließend beantworten, was Kunst ist, bewirkt oder bewirken soll. Klar ist aber, dass diese Fragen immer wieder neu gestellt wurden. Es folgt eine (mehrteilige) Rekapitulation.

Die Geschichte der Kunst ist die Geschichte sich wandelnder Vorstellungen und Bedürfnisse und nicht die eines technischen Fortschritts. Die ersten künstlerischen Darstellungen sind keineswegs weniger perfektioniert als gegenwärtige Darstellungen — verändert hat sich der Blick auf den Gegenstand. Genau das ist der rote Faden, den Ernst Gombrich (2010) in seiner „Geschichte der Kunst“ verfolgt: Die zeitgenössische Vorstellung von „Wirklichkeit“.

Eine Ausstellung am Londoner University College fragt derzeit: „Do animals make art?“ Die „Arbeit“ des Schimpansen Congo ist oben abgebildet — ein durchaus anregendes Werk! Aber kann es sich hierbei um Kunst handeln? Man mag Tieren eine artspezifische Ausprägung an „Bewusstsein“ zugestehen — Affen etwa die eines zwei- oder dreijährigen Kindes. In diesem Alter reüssierte (das Menschenkind) Aelita Andre mit einer Einzelausstellung in der New York Agora Gallery: Sie verkaufte Bilder im Wert von über 30.000 Dollar und wurde als jüngster professioneller Künstler bezeichnet. Kritische Anmerkungen sollen hier zunächst nicht vertieft werden.

Was ist Kunst? Hier soll zunächst die These geprüft werden, dass Kunst als Kunst intendiert zu sein hat und im Rahmen ihrer Kultur als solche (kritisch) rezipiert werden muss. Vorraussetzungen, die offensichtlich für die Arbeit des Affen Congo nicht erfüllt sind: Er und seine Artgenossen haben sich jedenfalls bisher nicht dazu geäußert.

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

→ Thema: Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

Kunst — Perspektiven der „Wirklichkeit“

31. Januar 2012

Die Kunstgeschichte in ihrer traditionellen Form ist an ihrem Ende angekommen“ , diagnostiziert Peter Weibel (Leiter des Zentrums für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe; ZKM). Die Kunsthistorikerin Andrea Buddensieg will daher als Leiterin des neuen Kompetenzzentrums am ZKM, „Global Studies“, den Blick auf die Kunst erweitern. Ihr Kollege, der Kunstwissenschaftler Hans Belting weist auf eine „Bedeutungsverschiebung in der Kunst“ hin. Insbesondere in Diktaturen biete die Kunst „den Freiraum, der Zensur auszuweichen, Tabus aufzugreifen und eine eigene Sichtweise zu entwickeln“ (Buddensieg).

Das Ziel der neuen Einrichtung sei es, alle transkulturellen Forschungsarbeiten zusammenzuziehen — die eurozentristische Perspektive müsse überwunden werden.

Zurzeit ist im ZKM die Ausstellung „The Global Contemporary. Kunstwelten nach 1989“ zu sehen.

Als neues Thema soll hier die „Geschichte der Kunst“ überflogen werden — als ergänzende Perspektive der „Wirklichkeit“.

  1. Eine zaghafte Annäherung
  2. Seltsame Anfänge und ein großes Erwachen
  3. Ein Gesicht erobert die Welt
  4. Rom, Christentum und die Entdeckung des Gefühls
  5. Visionen der Kirche
  6. Emanzipation durch Architektur und Wissenschaft

Quelle: Gombrich, E. H. (2010). Geschichte der Kunst. Berlin: Phaidon.

Neuroästhetik — gefällt mir das?

21. Januar 2012

Was kommt heraus, wenn sich die Natur- bzw. Sozialwissenschaften der ästhetischen Erfahrung nähern?

„Kunst hat in der Basis mit Sex zu tun“, erklärte Dennis Dutton († 2010; Canterbury University). Wenn man, so Semir Zeki (University College London), „per Scanning herausfinden könnte, welche Bilder die meisten Menschen mögen und welche nicht, könnte das über Nacht die Preise verändern“.

Oder sind das verkürzte Zitate, die die Vertreter der Geisteswissenschaft im Feuilleton aufzählen, wenn sie über Neuroästhetik berichten? „Am Ende steckt in dem Versuch, ästhetische Wahrheit mit naturwissenschaftlichen Mitteln zu definieren, ein krudes Nützlichkeitsdenken“, so das Fazit von Thomas Assheuer in der Zeit, als vor etwa dreieinhalb Jahren an der Berliner Charité die „Assoziation für Neuro-Ästhetik“ gegründete wurde — eine explizit interdisziplinäre Einrichtung, an der neben Wissenschaftlern auch Künstler tätig sind. Außerdem würden die falschen Fragen gestellt, so der Philosoph Alva Noe (CUNY Graduate Center). Zunächst gehe es um Geld und Einfluss!

In ruhigeren Gesprächen wird es interessanter: Um „Aufmerksamkeit gegenüber ihrem eigenen Erleben“ gehe es, sagt der Wahrnehmungsforschers Martin Tröndle (Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel). Auch der Psychologe Ernst Pöppel (Universität München), selbst an der Assoziation für Neuro-Ästhetik beteiligt, ist äußerst kritisch: „Was ist Schönheit? Ich weigere mich, solche Fragen ernst zu nehmen. Wir verabschieden uns vom Leben, wenn wir ein Konzept wie ,Schönheit‘ erfinden und dann nach diesem Konzept im Gehirn suchen. Ich halte das für Blödsinn.“ Semir Zeki geht es vor allem um Neugier.

Wer vereinfacht hier was?

Auch eine Kooperation der Universität Wien von Helmut Leder (Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden) und Raphael Rosenberg (Institut für Kunstgeschichte) versucht eine Annäherung: „Wir haben die Besonderheiten unserer Forschung zusammen gebracht.

Anstatt gespannt zu lauschen, wenn Wissenschaftler Gräben überspringen und näher zusammenrücken oder konstruktiv am Gespräch teilzunehmen, werden Zuständigkeiten postuliert und Kompetenzen bezweifelt. Grundlagenforschung, auch die der Neurowissenschaften, gönnt sich genau den Luxus, nicht an Nützlichkeit zu denken.

Es geht um die Frage nach der conditio humana: Von Natur aus ignorant, oder zu (gemeinsamem) Handeln bereit?

Demokratietheorien: Gegenwart

21. Januar 2012

→ Thema: Mehr Demokratie — verdammt noch mal!  (Ende der Serie)

Bedeutende Theoretiker der Gegenwart:

  • Joseph Schumpeter
  • Ernst Fraenkel
  • Ralf Dahrendorf
  • Niklas Luhmann
  • Iris Marion Young (abgebildet)
Nur übersichtlich, wichtige Weiterentwicklungen:
  • Weber: Wirkung der Demokratie auf die Wirtschaft
  • Schumpeter: »Volkswille« ist Ergebnis eines politischen Prozesses, welcher von Experten betrieben werden sollte
  • Popper: Leid der Menschen so gering wie möglich halten (negativer Utilitarismus)
  • Sartori: Balance von Realismus und Idealismus
  • Fraenkel: pluralistische Demokratie
  • Dahrendorf: Konflikt als schöpferische Kraft des Wandels
  • Downs: Politiker sind Unternehmer, die Bürger Akteure
  • Olson: Partizipation ist die Ausnahme
  • Luhmann: Demokratie ist eine »evolutionär unwahrscheinliche Errungenschaft«
  • Habermas: deliberative Demokratietheorie
  • Offe: Existenz von Filtersystemen
  • Barber: Politik entscheidet, wenn keine allgemein anerkannte Wahrheit zu erkennen ist
  • Young: Abkehr vom Ideal eines universellen Staatsbürgerstatus
Quelle: Massing, P. & Breit, G. (Hrg; 2003). Demokratietheorien. Bonn: bpb.
Leer
→ Thema: Mehr Demokratie — verdammt noch mal!

Die Macht der Medien

12. Januar 2012

Zweifelsfrei hat die Bild-Zeitung eine dominierende Rolle in der „Causa Wulff“ eingenommen. Heute präsentiert sie Frank-Walter Steinmeier (SPD) als potentiellen Nachfolger des aktuellen Bundespräsidenten.

  • Geht die Macht der Medien über „Agenda-Setting“ (Diskurs-Initiation durch konkrete Themenschwerpunkte) hinaus?
  • Welche Aufgaben sollte die „vierte Gewalt“ in einer modernen Demokratie übernehmen?
  • Wodurch werden die Medien kontrolliert und legitimiert?